Frankfurt Marathon 2015 – Hier könnte Ihre Bestzeit stehen!

Nur noch 3 Monate bis zum Frankfurt-Marathon 2015 und das heißt für mindestens 18 Runners – Trainingsauftakt!!! Endlich wieder Muskelkater. Endlich wieder gegen den inneren Schweinehund kämpfen. Als Beweis dafür, dass sich diese Quälerei so was von lohnt, hier der Bericht vom vergangenen Jahr, als ich die Zusammenhänge zwischen 10km-Läufen, dem Matterhorn und einem Marathon im Selbstversuch erforschte.

Im Gegensatz zu 2013, als mir ein Sturmtief namens Christian – das hängt mir übrigens immer noch nach – eine gute Zeit total versaut hat, habe ich 2014 irgendwie den Flow erwischt und hatte das Gefühl, fliegen zu können:

Die Hölle von MöWa
(Das Matterhorn des kleinen Mannes)

Da stehe ich nun also wieder. Wie immer. Wie jedes Jahr. Um mich herum 135 Läufer (m/w), die diese 10km in Angriff nehmen. Noch 3 Minuten bis zum Start und die wirklich wichtigen Gespräche in diesem Menschenauflauf drehen sich genau um 2 Themen: Frankfurt-Marathon, Arne Gabius. Es gibt natürlich auch Diejenigen, die diese unsäglichen Monologe vom Typ „Ich mache heute nur einen Trainingslauf und laberabarber….“ loslassen und dabei alle Anderen unaufgefordert auf CC setzen. Heeeeeuuuuuuul!!! Ich kann das nicht mehr hören – da rollen sich bei mir die Fußnägel hoch! Wenn ich bei einem Wettkampf renne, dann gebe ich Gas – was denn bitte schön sonst? Ali hat ja auch nicht gegen Foreman gekämpft, nur weil er gerade Bock auf Sparring hatte.

Es ist Samstagnachmittag – genau 8 Tage vor dem großen Lauf. Wie seit 2009 üblich, renne ich eine Woche davor den schnellen 10er hier in Mörfelden-Walldorf. MöWa liegt quasi direkt an der Start- und Landebahn des Frankfurter Flughafens und ist nebenbei auch eine Hochburg des Triathlons – hier findet mit dem Möwathlon jedes Jahr im Sommer einer der größten Volkstriathlons der Gegend statt. Nebenbei ist mit dem Langener Waldsee auch der Start des Frankfurt-Ironmans nicht wirklich weit entfernt.

„Noch 10 Sekunden bis zum Start“ brüllt der Mann mit der Flüstertüte. Wie ferngesteuert drängen sich alle an die mit Sägemehl filigran auf den Waldboden gezogene Startlinie. Der Start liegt direkt am Waldeingang und das Ziel zum Glück im Stadion von MöWa.

Paff! Los geht es – 10km bei spätsommerlichem Wetter, fast 20°C. Mit katzenartiger Gewandtheit beschleunige ich von 0 auf 15 in höchstens 5 Sekunden. Kaum, dass ich dreimal Luft geholt habe, ist der erste Kilometer nach 3:47 Minuten auch schon rum. Weitere fünf Atemzüge später auch schon der zweite in 3:48 Minuten. Es rollt echt super – aber dafür werde ich sicher wieder büßen. Wie immer halt! Ich kann die 10km-Läufe einfach nicht – ich hasse es, wenn mir der unvermeidliche 180er-Puls unter die Schädeldecke haut und ich nach Luft ringen muss. Tausend mal lieber laufe ich Marathon, wo einem zwar die Beine platzen, aber das Atmen viel leichter fällt.

Dementsprechend bin ich bisher auch gerade ein einziges Mal soeben unter 42 Minuten geblieben. Nicht meine Disziplin! Respekt an alle Volksläufer, die sich diese Quälerei jedes Wochenende irgendwo geben. Ich kann 2014 bisher gerade mal einen einzigen 10er vorweisen.

Kilometer 3 dann in 3:55 Minuten – immerhin noch einer unter 4 Minuten. Ist aber auch nicht wirklich schwer auf dieser superflachen Strecke in MöWa. Ein großes Lob gebührt an dieser Stelle (also etwa bei km 3,1) der ausrichtenden TGS Walldorf: Ich bin immer wieder gerne hier, weil es außer diesem 10er auch noch viele andere engagierte Veranstaltungen wie Adventslauf, Halbmarathon, Winterlaufserie, Marathon-Staffel, usw. gibt. Daumen hoch!

Abgesehen davon, dass man hier seine PB ganz gut wuppen kann, bin ich hier im Februar 2012 bei -15°C den kältesten Halbmarathon aller Zeiten gelaufen. Bei diesem Lauf, der als Eskimo-Halbmarathon in meine Vita einging, musste ich einen halben Kleiderschrank voll Klamotten anziehen, um nicht zu erfrieren. Zwiebelschalenprinzip extrem. Während ich am liebsten noch Handwärmer aus dem Anglershop mitgenommen hätte, sind da mindestens 2 Onkels noch in kurzen Klamotten gelaufen. Ich würde mal sagen: Gut präpariert für Ice Age!

Kilometer 4 in 3:50 Minuten. Na ja – es geht ja auch ein kleines bisschen bergab. Da kann das Jeder! Vor einiger Zeit hat mich ein Kollege mit einer einfachen Frage ziemlich an der Nase herumgeführt: Was ist der Unterschied zwischen einem 10.000m-Lauf und einem 10km-Lauf? Die Antwort „keiner“ ist falsch, denn 10.000m sind auf der Bahn und 10km sind auf der Straße. Dementsprechend werden auch getrennte WR geführt (10.000m = 26:17 Minuten / 29:31 Minuten) und (10km = 26:44 Minuten / 30:21 Minuten). Das ist bei den Männern eine Pace in der Preisklasse 2:40 Minuten/km. Das sollte für mich aber kein Problem darstellen, denn wenn ich noch so etwa 5.000 Jahre weiter (täglich) trainiere, schaffe ich das auch.

Ich war zwar nie auf der Bahn, aber so rein vom Bauchgefühl her, ist mir eine 10km-Runde erheblich lieber, als 25 Runden im Kreis zu laufen (zum Glück ist es gar kein richtiger Kreis). OK – im Berliner Olympiastadion oder 2016 in Rio würde ich zur Not auch das machen. Da passt ja ganz gut ins Konzept, dass km 5 mit 3:57 Minuten immer noch unter 4 Minuten bleibt. Äh? Irgendwas läuft hier falsch – normalerweise müsste ich längst pumpen wie ein Maikäfer. 5km in 19:17 Minuten? Und insgesamt nur etwa 30-mal geatmet? Das ist doch irgendwie oberfaul (so, wie ich sonst beim Intervalltraining). Ich frage mich ….

wer diesen unglaublichen Berg erfunden hat, vor dem ich gerade völlig fasziniert und sprachlos stehe:

Matterhorn

Es ist Mitte Juli 2014 und gleichzeitig der letzte Tag unseres Zermatt-Urlaubs und endlich, endlich, endlich ist der verdammte Nebel weg. Freie Sicht auf die grandiosen Berge hier im südlichen Wallis – fast schon in Italien. Ach ja – seit gestern sind wir endlich wieder Weltmeistääääär! Auch schon das 7:1 habe ich hier in Zermatt miterlebt. Ich kann vor Allem bei den internationalen Touristen von Gesichtsentgleisungen und ungläubigen Gesprächen berichten. Selbst, wenn man nicht spanisch, italienisch oder polnisch spricht, konnte man das deutlich merken.

Ich war ja schon in vielen Ferienorten in den Alpen, aber nirgendwo ist der Fokus so stark auf einen einzigen Berg gelegt wie hier im autofreien Zermatt. Nicht mal in Grindelwald mit der Eiger-Mönch-Jungfrau-Kulisse. Das 4.478m hohe Matterhorn hat eine ganz eigene Magie – meiner Meinung liegt das daran, dass dieser nahezu perfekt pyramidenförmige Berg ein „Stand-Alone“ ohne direkten Nachbar links und rechts ist. Allerdings wird man bei vielen Fotos oder Prospekten ein wenig getäuscht, denn die meistens präsentierte Seite des Berges ist gar nicht die sagenumwobene Nordwand, sondern die Ostwand (siehe linkes Foto). Das Bild auf der rechten Seite zeigt auf der linken Hälfte die Ost- und auf der rechten Hälfte die deutlich schwierigere Nordwand. 2015 wird hier ein deutlich größerer Trubel als in diesem Jahr sein, denn dann wird das 150-jährige Jubiläum anlässlich der Erstbesteigung 1865 gefeiert.

Jedenfalls nutzen wir nach insgesamt 7 Tagen des täglichen Bergwanderns nun das perfekte Wetter, um mit Europas höchster Seilbahn auf das 3.883m hohe Kleine Matterhorn zu fahren. Wir trauen uns das nun, da wir uns eine Woche im 1.600m hoch gelegenen Zermatt und den täglichen Wandertouren auf mindestens 2.500m gut akklimatisiert haben. Ich habe vor vielen Jahren mal den Fehler gemacht, direkt aus dem Flachland mit der Bahn ganz nach oben zu fahren. Ganz böser Fehler!!!! Mir wurde schwarz vor Augen und ich war kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren. Zum Glück war ich nicht alleine. Akklimatisierung ist ganz dringend nötig – nicht umsonst sagt man, dass man nur 1.000m Höhe pro Tag verkraften kann. OK – jetzt kann ich schlau reden….

Deshalb also 7 Tage „Höhentraining“ auf den Gornergrat, Schwarzsee, Trift, usw. Dabei auch einmal die Strecke des Zermatt-Marathons hoch auf den Riffelberg. Wie der Kollege Paul Maticha Michieka (natürlich aus Kenia) in diesem Jahr die Strecke vom 1.085m hoch gelegenen St. Niklaus in das 2.585m hoch gelegene Ziel in 2:55 Stunden (natürlich Streckenrekord) laufen konnte, ist mir unbegreiflich. Das ist so brutal steil, dass ich gerade so nicht gehen muss. Das eigentliche Schmankerl dieses Laufs, der seit 2002 ausgetragen wird, ist jedoch der 45,6km lange Ultramarathon, der vom Marathonziel noch 3,4km und 514 (!!) Höhenmeter weiter auf den Gornergrat führt. Da platzen einem schon beim Wandern die Waden weg! Immerhin kann man im Ziel, der 3.089m hoch gelegenen Gipfelstation, dann per Bahn zurück ins Tal. 2015 findet auf dieser Strecke (den 42,2km) die Berglauf-WM über die Langdistanz statt – ohne mich! Der Fußmarsch auf den Gornergrat geht übrigens in meine persönliche Vita ein als erste Wanderung in eine Höhe >3.000m. Chakka!

Bergstation Gornergrat

Jetzt aber mal zurück zur Tour auf das Kleine Matterhorn: Ein grandioses Wetter heute (das sagte ich wahrscheinlich schon). Also eine Hand voll Franken am Kassenhaus der Bergbahn abgegeben und ab geht es. Interessant ist der lustige ältere Herr, der an der Kasse seit gefühlt einer halben Stunde um 2 Franken Rabatt feilscht. Nicht, dass sich hinter ihm eine Schlange von fast 30 Leuten gebildet hätte. Aber er zieht das hier gnadenlos durch – scheinbar ist er auf einer großen Mission.

Ist uns egal – wir fahren jetzt nach oben. Erstes Zwischenziel ist die 2.583m hoch gelegene Station Schwarzsee. Von hier aus wollten wir zu Beginn des Urlaubs die 3.260m hoch gelegene Hörnlihütte, das Basis-Camp für Matterhorn-Besteigungen, zu Fuß erreichen. Gnadenlos gescheitert! Zu riskant. Bergwandern – ja. Bergsteigen – nein.

Also weiter ab nach oben. Der nächste Umstieg ist an der 2.939m hoch gelegenen Station Trockener Steg. Hier geht es weiter in einer Großkabinenbahn, die uns fast 1.000m nach oben auf das Kleine Matterhorn bringt:

Kleines Matterhorn – Blick vom Trockenen Steg

Sollte mich irgendwann einmal der Drang des Sommerskifahrens befallen, werde ich das hier tun, denn man kann vom Gipfel des Kleinen Matterhorns nonstop bis hierher zum Trockenen Steg herunter rasen (rechte Bildhälfte). Alternativ geht es auf der anderen Seite des Bergs hinunter nach Italien – die Grenze verläuft ziemlich genau hier oben. Auf der linken Seite ist das 4.164m hohe Breithorn zu sehen, auf das man vom Gipfel des Kleinen Matterhorns ohne große technische Schwierigkeiten wandern kann (ca. 2 Stunden). Deshalb meinen die Zermatter Bergführer mit „Breithoru-Liit“ Bergsteiger oder –Wanderer, mit denen man, ohne sich Sorgen machen zu müssen, nur auf das Breithorn steigen kann.

Oben auf dem Gipfel angekommen, wird mir zwar nicht schwummrig, aber der Sonnenschein ist hier so stark, dass ich mir wie ein Brathähnchen vorkomme – Lichtschutzfaktor 40 ist heute mindestens angebracht. Und ohne Sonnenbrille bist Du hier in 5 Minuten schneeblind.

Also raus auf das Gipfelplateau und ein wenig durch den Schnee gestapft. Der Blick auf die endlosen Schneefelder (mitten im Sommer!) und die Viertausender rundherum machen sprachlos. Eigentlich schade, dass ich gerade keine Skier unter den Füßen habe. Wie gerne würde ich jetzt zum Trockenen Steg runter brettern. Nächstes Mal! Dann ist auch der Fußweg auf das Breithorn fällig!

Nach einem Rundgang durch den künstlerisch hochwertigen Gletscherpalast dann aber hoch auf die Gipfelplattform. Ich habe mir schwer vorgenommen, hier meine Mittagspause einzulegen: Landjäger-Wurst mit Brot – eine Schweizer Spezialität, die es bei mir auch nur im Urlaub gibt (quasi eine Urlaubs-Schlüsselreiz-Mahlzeit). Nach diesem dekadenten Menü, bei der ich einige komische Blicke ernte, beschließe ich, noch eins drauf zu setzen und im Gipfelrestaurant die „höchste Tasse Kaffee aller Zeiten“ zu schlürfen – egal, ob das 10 Franken kostet. Gesagt, getan. Selten hat mich eine simple Tasse Kaffee mit Milch und Zucker in solche Glückszustände versetzt.

Nach diesem sensationellen Tag auf dem Gipfel fahren wir wieder runter nach Zermatt – der Kopf voller Bilder und Impressionen. Schee war’s! Unten am Kassenhäuschen debattiert der ältere Herr von heute morgen scheinbar immer noch über seine 2 Franken Rabatt. Ich glaube gesehen zu haben, dass er nach stundenlangem erbitterten Kampf „Recht“ bekommen hat, weil die Dame an der Kasse schlicht und einfach die Schnauze voll hatte. Das sind die großen Momente im Leben!

Eine Sache hat mir echt die Tränen in die Nase getrieben und verdeutlicht, wie oberfaul die meisten Menschen mittlerweile sind, aber auch wie fit und ambitioniert sie eigentlich sein könnten: Mächtig beeindruckt war ich von einem Bergführer, der vom Ortsausgang Zermatt in nur 2:50 Stunden auf den Gipfel des (Großen) Matterhorns mehr oder weniger gespurtet ist. Das sind etwa 8km Distanz und 2.900m Höhendifferenz inklusive des „Bergsteigens“. Wahnsinn!

Die ganze Traurigkeit der modernen Gesellschaft zeigt dagegen folgendes Bild:

Ohne Worte

Ich haben diesem Shuttle, der offiziell Leisee-Shuttle heißt, den Namen Faulpelz-Lift verpasst. Er verbindet den Leisee, einen beliebten Fotopunkt für Touristen, mit der Bergstation Sunnegga und überwindet dabei die unfassbare Höhendifferenz von 43m (in Worten: DREIUNDVIERZIG METER). Für den Fußweg benötigt man 3 Minuten – wenn man sich viel Zeit lässt. Nicht, dass mich diese Bahn stören würde. Im Gegenteil – für ältere oder gehbehinderte Menschen absolut top. Aber NICHT für gesunde Menschen. Ich habe mir mit Tränen in der Nase einige Minuten angesehen, was für Menschen da ein- und aussteigen, anstatt die 3 Minuten zu Fuß zu gehen. Es ist nichts als traurig! Das ist, als würde Haile Gebrselassie Alternativtraining auf einem E-Bike machen.

Der Tourismus und somit die Einwohner Zermatts profitieren natürlich von solch einem Shuttle – insofern Alles gut. Aber es ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, die aus Faulheit immer mehr in Richtung Übergewicht, Adipositas und Diabetes rutscht. Mann – rafft Euch endlich auf! Ich frage mich …

nach 3:59 Minuten für den 6. Kilometer, ob das hier anstatt eines 10km-Laufs ein Science Faction Film ist. Und warum spielen die Stones in meinem Kopf gerade „I can’t get no Satisfiction“? Irgendwas ist anders – irgendwie verdreht. Ich kann eigentlich gar nicht so schnell rennen. Wie gesagt: 42 Minuten sind mein konstruktiv bedingtes Limit (eigentlich sind es 42,195 Minuten, aber das ist ein anderes Thema). Aber es sind nur noch 4.000m bis ins Ziel und mein Hirn befasst sich immer mehr mit 40 Minuten. 40 Minuten? Ich hatte vor kurzer Zeit behauptet, dass ich froh bin, wenn ich das „irgendwann mal im Leben“ schaffe. Ist heute etwa „irgendwann“? Stand gar nicht im Kalender.

4.000m? Das sind wahlweise 10 Runden auf der Bahn oder eine knappe Matterhorn-Höhe. Matterhorn? Und in dieser Sekunde wird mir klar, was hier läuft: Der Bergwanderurlaub vor 3 Monaten war in Wirklichkeit ein so nicht geplantes „Höhentraining“, was mir nun zu Gute kommt. Deshalb fällt mir das Atmen auch so ungewöhnlich leicht. Wie ich später recherchiere, waren wir aus Zufall zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Höhenlage. Auch die Erschöpfung nach dem Urlaub war genau, wie in der Theorie beschrieben: 10 Tage lang war ich derart platt, dass ich mich fast auf dem Sofa wund gelegen hätte. Nie in meinem Leben habe ich meine Knochen so hinter mir hergezogen. Wie nach einer Narkose im Krankenhaus.

Kilometer 7 ist dann mit 4:03 Minuten der erste über 4 Minuten. Es wird nun schwerer – ich fange an zu pumpen und die Beine melden sich auch langsam. Der Puls fängt an, sich über Hals und Kiefer in Richtung Schädeldecke vorzuarbeiten. Beißen – Du Lusche!

Nach 8km ist dann auch der 180er-Puls endlich erreicht. 4:07 Minuten für diesen Kilometer. Es wird schwerer und es wird enger – noch 29 Sekunden Reserve auf den 4er-Schnitt. Es ist jetzt genau wie im Urlaub ganz oben in fast 4.000m Höhe – das Herz rast wie eine Nähmaschine. Ich lenke mich mit einem Spruch von Iron-Helmut ab: „Qualität kommt von Qual“. Heeeeeeuuuuuul!

Der 9. Kilometer wieder in 4:07 Minuten – noch 22 Sekunden Reserve. Heißt also: Wenn die Strecke tatsächlich genau 10.000m lang ist, muss ich den letzten km in 4:22 Minuten bringen, um tatsächlich die 40 Minuten zu knacken. Vom Gefühl her völlig unmöglich, aber ich denke mir, dass der Weg sehr, sehr lang sein würde, wieder diesen Trainingszustand zu erreichen. Also jetzt oder nie! Ein Bergsteiger dreht sich am Matterhorn ja auch nicht in 4.300m Höhe um – höchstens, um den Ausblick ins Tal zu genießen.

Gib Gas. Quäl Dich, Du Sau. Heul doch. Sämtliche Floskeln des Laufsports durchqueren die restlichen mit Sauerstoff versorgten Hirnzellen. Rennsteig ist viel leichter als das hier! Da explodieren zwar die Beine, aber diese Qual ist lange nicht so schlimm wie Sauerstoff-Not. Ich weiß – im Szenejargon müsste ich das den Anaeroben Bereich nennen. Aber warum? Es genügt doch, wenn ich sage, dass sich das total Sch… anfühlt.

Während ich über diese sinnlosen Dinge nachdenke, sind wieder fast 500m vorüber. Da vorne ist der Waldrand von MöWa – dort wo ich vor 38 Minuten losgelaufen bin. Im Moment bin ich so was von über meinem Limit; das kann sich keiner vorstellen. Aber ich quetsche jetzt absolut Alles raus – wer weiß, wann es nochmal so gut läuft. Bestzeiten gehen nur, wenn man in Form ist. Noch links um die Kurve ins Stadion, noch etwa 150m auf der Bahn und ab durchs Ziel. Geschafft – Platz 17 in 39:39 Minuten.

Ich schaffe es gerade noch, zu einer Rasenfläche zu torkeln und mich dort hinzulegen. Selten war mir so schwarz vor Augen wie in dieser Sekunde (Doch: als ich 1988 zum ersten Mal auf dem Kleinen Matterhorn war – ohne Akklimatisierung. Das war ganz genau so! Und so schließt sich der Kreis). In diesem Moment fühle ich auch, was Helene mit „Atemlos“ meinte. Ich hatte beim Text scheinbar bisher nie richtig zugehört. Der Sieger des 10ers brauchte übrigens nur 33:01 Minuten, war also zu diesem Zeitpunkt längst geduscht und gab Sieger-Interviews.

Herbert Steffny bezeichnet den Marathon des Öfteren als den „Mount Everest des kleinen Mannes“. Kraft meines Amtes als Tempoläufe-Vermeider ernenne ich deshalb an dieser Stelle die 10km zum „Matterhorn des kleinen Mannes“ (gilt natürlich auch für die kleine Frau). 10km sind die Hölle! Respekt an alle, die das jedes Wochenende machen! Ich steige bei diesem Thema erstmal aus. Tschö!

Auf der Zielgeraden der Marathon-Vorbereitung fällt mir auf, dass ich gar kein Gel mehr für Frankfurt habe (Energy-Gel meine ich damit). Also mit halber Lichtgeschwindigkeit in den Supermarkt meines Vertrauens gerast und zielsicher zum Regal gehüpft, wo seit Jahren mein Lieblings-Gel rumliegt. Orangengeschmack – das Preisgünstige für 99 Cent. Aber heute?

Irgendwie finde ich das nicht mehr. Was ist denn hier los? Auf Nachfrage wird mir mitgeteilt, dass diese Sorte „nicht mehr Teil des Produkte-Portfolios ist“. Äh – was meinen die Business-People damit? Ich übersetze mal: Es gibt nur noch die Teuren für 2€, weil die mehr Gewinn abwerfen.

Auch in den nächsten 7 Märkten finde ich mein Gel nicht mehr. Die Situation erinnert mich an einen ganz witzigen Film, ich glaube er hieß „Ey Mann, wo is mein Gel?“. Oder so ähnlich.

Und nun? Ich muss wohl auf eine andere Sorte umsteigen. Das ist natürlich nicht unkritisch, weil – wer weiß schon, wie die Verdauung auf diese ungewohnte Mixtur reagiert. Vor dem Marathon kann ich auch keinen wirklich langen Lauf mehr machen, um das Ganze unter realen Bedingungen zu testen. Da fällt mir was ein….

Ich investiere 4€ in 2 Gels und fahre nach Hause. Dort zitiere ich den Kater herbei – ein junger dynamischer, vor Testosteron strotzender Kollege (so, wie ich es mal war). Hat immer Hunger. Und alle seine Kämpfe spätestens in der 2. Runde durch K.O. gewonnen. Also mische ich ihm eines der beiden Gels unauffällig unters Futter und harre der Dinge….

Kurze Zeit später kratzt es an der Tür und folgender Furcht einflößender Blick tritt mir entgegen, als ich öffne:

The Eye of the Tiger

Ein mit tief maskuliner Stimme gefauchtes „Draaaagooooo“ lässt mich weiter erzittern. Völlig irritiert frage ich ihn, wer ihm das Sprechen beigebracht hat. Das ginge mich einen Sch…- Dreck an, entgegnet der Kater und entschwindet in die dunkle Nacht. Ich bin mir nun absolut sicher, das Super Plus unter den Gels gekauft zu haben. Frankfurt – here we go!

Eine paar Tage später – es ist so etwa km 19 beim Frankfurt-Marathon 2014. Ich drücke mir das 2€ teure Super-Plus-Gel in den Hals und harre der Dinge….

Muss ich jetzt „Draaaagooooo“ brüllen, damit es wirkt? Im Sinne meiner Konkurrenten verzichte ich darauf und konzentriere mich lieber, an der VP bei km 20 ordentlich nachzutanken. Ab hier gibt es dann übrigens auch Gels „to go“ durch den Veranstalter. Da greife ich natürlich zu, denn im Vergleich zu vielen Anderen bin ich als Kind nicht in den Zaubertrank gefallen.

Nach den Wetter-Kapriolen der beiden vergangenen Jahre (2012: Ice Age / 2013: Vom Winde verweht) haben wir dieses Jahr perfekte Bedingungen: 14°C und kein Wind. Das Potenzial für den Ausrede-Katalog ist also nicht vorhanden. Seit km 10 gebe ich ein wenig Gas und bin mit 1:34:32h bei Halbmarathon sehr zufrieden, denn mein Ziel sind dieses Jahr 3:14h.

Ich gebe es zu: Die 39:39 Minuten von MöWa haben mich nochmal ins Nachdenken gebracht und über eine Zeit < 3:10h nachdenken lassen. Hier bei HM merke ich aber, dass das nix wird und belasse es beim ursprünglichen Ziel.

In Schwanheim werden mir zum ersten Mal die Menschenmassen bewusst, die in diesem Jahr an der Strecke stehen. Normalerweise schätzt man beim Frankfurt-Marathon 300.000 bis 400.000 Zuschauer – in diesem Jahr sind es gefühlt deutlich mehr. Neben dem guten Wetter sind definitiv der Start von Arne Gabius und seine Ankündigung, im Bereich 2:10h zu laufen, der Grund dafür. Darauf hat Marathon-Deutschland inklusive mir ziemlich lange gewartet. Seit meinem ersten Frankfurt-Marathon 2009 war es dann eben doch immer die Show der Kenianer und Äthiopier. Jetzt aber erst mal weiter gelaufen…

Schwanheimer Brücke – in den vergangenen Jahren immer so ein Problem, weil es von Sachsenhausen bis hierher immer so gut rollt und dann dieser doofe Brücken-Aufstieg kommt (ich weiß – kein Vergleich zu New York). In diesem Jahr keine wirkliche Hürde. Auf der anderen Seite runter gerannt und nach 1:51:52h im Moonwalk über die 25km-Matte gegroovt. Bis hierhin läuft es super (plus) und vom Gefühl her habe ich noch genug Körner.

Der wahre Gradmesser für die Reserven ist jedoch diese etwa 400m lange Steigung in Höchst bei km 27. Hier habe ich mich immer schwer getan und letztendlich gemerkt, dass nicht mehr genug Power im Tank ist – aber nicht so dieses Jahr. Also oben um die Ecke rum und auf der anderen Seite mit Gebrüll runter. Dieses Gefälle nutzte ich, um Schwung zu holen (in Wirklichkeit mache ich nichts Anderes, als das Tempo zu halten). Ich überhole Einen nach dem Anderen und habe immer mehr das Gefühl zu fliegen.

Das Motto der diesjährigen Veranstaltung lautet übrigens „This is your Day“ und genau dieses Mantra geistert mir durch das Hirn, als ich in Nied immer mehr in Richtung Lichtgeschwindigkeit beschleunige. Dort erfahre ich per Zufall durch den Streckensprecher, dass in diesem Jahr überraschend der 38-jährige Kenianer Mark Kiptoo in 2:06:49h gewonnen hat. Darüber wundere ich mich ein wenig, denn man hatte mit Tsegaye Mekonnen und Vincent Kipruto eigentlich 2 Athleten verpflichtet, die höher eingeschätzt waren. Eine 2:04h hätte es wohl auch sein sollen – die Messlatte liegt seit den 2:03:42h von Wilson Kipsang im Jahr 2011 auch hier in Frankfurt sehr hoch. Das Thema Weltrekord ist jedoch seit den 2:02:57h von Dennis Kimetto in Berlin vor einem Monat keines mehr – weder hier, noch in Chicago. Diesbezüglich ist der Stecker für 2014 gezogen.

Bei den Damen gewinnt Aberu Kebede aus Äthiopien in 2:22:21h (also die 1 Sekunde hätte sie ja auch noch warten können). Das angestrebte Ziel sub 2:20h war also nicht wirklich drin. Aber das wahre Highlight sollten wir erst später realisieren…

Nach 2:14:32h fliege ich auf der Mainzer Landstraße über die 30km-Matte. Normalerweise ist dieser Streckenteil sehr schwer, weil einsam. Aber genau deshalb laufe ich hier wie im Rausch. OK – ich werde später ein wenig büßen dafür – aber das war es echt wert. Die vielen Bands am Streckenrand putschen dabei nur noch mehr auf. Ich erinnere an einen Rock-Onkel in Schwanheim, der bei seiner Performance echt Alles gegeben hat. Angus Young ist ein Waisenknabe dagegen. Aber auch die vielen Percussion-Künstler und klassischen Gruppen sorgen dafür, dass dieses Jahr eine unfassbare Stimmung in Frankfurt herrscht. 42,195km lang Gänsehaut pur! Schade, dass es so schnell vorbei war – hätten es heute nicht 50km sein können? Das Ganze erlebt man aber auch nur, wenn man tatsächlich als Läufer bei allen Bands vorbei kommt. Für den Zuschauer ist das eigentlich kaum nachvollziehbar.

2 Wochen zuvor war ich auf der Frankfurter Buchmesse und erstaunt und schockiert zugleich über die Vielzahl an Literatur über die modernen Probleme der Gesellschaft: Stress, Depressionen, Burn-Out, usw. Die bittere Wahrheit ist leider, dass die Buchmesse immer der brandaktuelle Spiegel der Wirklichkeit ist. Würden all die Business-People, Workaholics, High Potentials und Key Accounts nur ab und zu eines dieser super wichtigen Prio 1 Plus-Meetings gegen einen 10km-Lauf eintauschen – es würde allen besser gehen. Wenn die alle nur wüssten, wie g… es uns nach dem Sport geht!

Aber leider ist Mainhattan außer Marathon-City, Ironman-City und Bundesliga-City auch die Metropole der gestressten Menschen (und auch die Bundeshauptstadt der Singles!). Ein morgendlicher Blick durch die S-Bahnen und U-Bahnen sagt eigentlich Alles… Aber es gibt noch Hoffnung: Im Rahmen des Frankfurt-Marathons wird neben den Hessischen Meisterschaften auch eine Manager-Wertung ausgetragen. Macht sich als Chef sehr gut, einen Marathon zu finishen. Siehe in diesem Jahr den Trainer von Darmstadt 98 – Dirk Schuster: Sonntags den Marathon in 3:55h ins Ziel gekämpft (So richtig derb gekämpft! Hut ab!), danach direkt das Training geleitet und am nächsten Tag 3:0 gegen Nürnberg gewonnen. Das ist mal ne echte Leitwolf-Story (Nachtrag vom 24.07.2015: So steigt man in die erste Liga auf!).

Bei km 34 bin ich ein wenig verwirrt, denn diesen Streckenteil kenne ich überhaupt nicht – es geht durch das Europa-Viertel, wo ich in den vergangenen Jahren 100%-ig nie durchgelaufen bin. Wie ich im Nachhinein erst so richtig erkenne, wird in Mainhattan zur Zeit massiv gebaut. Deshalb dieses Jahr auch die ungewohnte Streckenführung an der Alten Oper und die merkwürdigen auf die Straße gesprayten Kilometerzahlen, die gar nicht zu den Schildern am Straßenrand passen. Im kommenden Jahr 2015 soll es angeblich eine völlig neue Streckenführung geben, auch begründet durch die dann stattfindende Deutsche Marathonmeisterschaft. Auch ein neuer Hauptsponsor für 2015 wird im Moment gesucht. Aus welchem Umfeld kann der wohl kommen? Banken? Flughafen? Pharma? Chemie? Technik? Multimedia? Pfälzer Musikgruppen? Wir werden sehen.

Oh – ich merke langsam, dass es etwas schwerer wird. Ich habe auf der Mainzer Landstraße doch ganz schön viel Gas gegeben und überquere die Zeitnahme-Matte bei 35km nach 2:38:17h. An der VP beschwert sich eine Dame über den Tee, der hier ausgegeben wird. Das erinnert mich daran, dass Tee auch so ein Mode-Thema ist: Dort, wo in den Supermärkten früher die Gels gelegen haben (insbesondere meine Sorte – die für 99 Cent), steht nun ein 100m langes Sortiment verschiedenster Teesorten. Und was die da mittlerweile Alles miteinander kreuzen: Vanille-Ingwer, Rotbusch-Grünkern, usw. Ich hätte noch ein paar sinnlose Sorten, die man mal erfinden könnte:

  • Banane/Knoblauch
  • Kiwi/Katzenminze
  • Mango/Zwiebel
  • Zitrone/Köttbullar

Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Ob man das tatsächlich trinken kann, sei mal dahin gestellt. Aber in Zeiten, wo man schon megaout ist, wenn man sich nicht vegan ernährt, ist das bestimmt auch kein Problem. Ich kann mich erinnern, dass es bei meiner Oma früher maximal Pfefferminze, Kamille, Hagebutte und Schwarzen Tee gab. Sonst nix. Aber das waren auch die Zeiten, als ein Pacemaker noch Schrittmacher hieß.

Jetzt, so etwa bei km 36, kehrt man endlich wieder in die Innenstadt zurück und so langsam sickert auch zu mir durch, dass Arne Gabius mit 2:09:32h ein unfassbares Marathon-Debüt abgeliefert hat. Die erste Zeit eines Deutschen Läufers unter 2:10h seit über 20 Jahren! Quasi beim „ersten Versuch“! Auch der derzeitige Wunderläufer Mo Farah ist dieses Jahr in London bei seinem Marathon-Debüt „nur“ 2:08:21h gelaufen.

Ich merke besonders an der Alten Oper, dass die Zuschauer von Arnes Wahnsinnslauf immer noch völlig euphorisiert sind. Alles ist dieses Jahr irgendwie aufgedrehter, lauter, euphorischer. Frankfurt ist im absoluten Marathon-Rausch. Nicht mal 2011 beim Fast-Weltrekord waren die Leute derartig aufgeputscht. Wer hier nicht dabei war, hat was verpasst!

Auf diese Welle springe ich auf und kämpfe die Kilometer immer noch deutlich unter 5 Minuten. Die Schmerzen in den Waden erinnern mich frappierend an den Fußmarsch auf den Gornergrat während des Zermatt-Urlaubs. Aktuell wird ja viel darüber diskutiert, wann und wo der erste Mensch den Marathon unter 2 Stunden läuft. Was mich viel mehr interessiert, ist die Frage, wann Jemand die Schallmauer beim „Frankfurt-Double“ knackt – also Ironman und Marathon im gleichen Jahr unter 10 Stunden. Aktuell ergeben beide Streckenrekorde addiert eine Zeit von 9:53:30 Stunden… Vor Allem – wer wird das sein? Ein kenianischer Triathlet? Oder etwa doch Jemand aus der Pfalz? Fragen über Fragen.

Aber jetzt geht es erst mal ganz irdisch weiter – bei km 40 nochmal rum um das Eschenheimer Tor und runter in Richtung Messe. Über die Matte bei 40km schwebe ich nach 3:02:31h – also 2,5 Minuten über der insgeheim erträumten Zeit, die für < 3:10h nötig gewesen wäre. Na ja, ist auch egal. Man muss sich ja auch noch Ziele für die Zukunft übrig lassen (glaubt das gerade irgend einer?).

Als der Streckensprecher in der Fressgass trotz tausender Leute um mich herum meinen Namen aufruft, hüpfe ich wie ein Flummi hoch und merke noch vor der Landung: Das war jetzt nicht wirklich gut! In der allgemeinen Euphorie klatschen mich einige Leute ab und freuen sich wie ich auch, dass es gleich vorbei ist.

Ein Kollege vor mir läuft im Trikot der Fußball-Nationalmannschaft – das mit den 4 Sternen! Denn wir sind ja Weltmeistäääääär! Ich dagegen laufe im schwarzen Frankfurt-Marathon-Shirt meines Premieren-Laufs im Jahr 2009 (das heilige Shirt, das nur einmal im Jahr getragen wird). Heißt auch: Während Jogis Jungs jetzt 4 Sterne haben, benötige ich noch genau 4 Teilnahmen in Frankfurt bis zur ewigen Startnummer, die es für 10 Teilnahmen gibt. Das wird 2018 sein – also im Jahr unserer Titel-Verteidigung!

Auf der Zielgeraden in Richtung Festhalle laufe ich bei km 42 für heute zum Glück zum letzten Mal an dem lustigen Hammer-Männchen vorbei, dem „Hammering Man“ (den es übrigens weltweit 12 Mal gibt und der definitiv die Symbolfigur des Frankfurt-Marathons ist). Hinter dem Mann mit dem Hammer, der mich heute zum Glück in Ruhe lässt, noch einmal links abbiegen und schon geht es durch ein Menschenspalier in die Partyarea called Messehalle.

Einmal kurz die Stimmung aufgesaugt und dann mit einem breiten Grinsen nach 3:13:05 Stunden ins Ziel gesurft. 10 Minuten verbessert – da sage ich mal

Yeah Baby!

Hinter der Ziellinie wird man von den Helfern recht schnell in Richtung Hinterausgang „geschoben“, weil es sonst zum Stau kommt und die Ziellinie ggf. zugestellt ist. Als ich an der Reihe bin, entgegne ich dem guten Mann das einzige Wort der Deutschen Sprache mit 15 „ö“: Och nööööööööööööööö!“ und verlasse die Messehalle zufrieden. Den 2.HM bin ich immerhin in 1:38:33h gewetzt – das habe ich bisher noch nie sub 1:46h geschafft. Alle Kilometer unter 5 Minuten. War also doch richtig, in der Vorbereitung in Pirmasens beim Pfälzerwald-Marathon einmal die komplette Strecke gelaufen zu sein. Nebenbei ein ganz schön hartes Brett – dieser PWM. Ich wusste gar nicht, dass es in der Pfalz so viele Achttausender gibt.

Nachdem ich meine Klamotten abgeholt habe, schleppe ich mich zur Medaillen-Gravur. Immer wieder ein toller Moment, weil man dort zum ersten Mal seine offizielle Zeit erfährt. Völlig platt, aber zufrieden werfe ich mich in irgend eine Ecke der Messehalle, reiße eine 2 Liter-Pulle Cola und eine Tüte richtig sch… leckerer Kartoffelchips auf. Glücklich vor mich hin mampfend rekapituliere ich, was ich vor, während und nach diesem Marathon Alles gelernt habe oder einsehen musste:

  • 10km-Läufe tun verdammt weh, sind aber wichtig
  • Bergwandern tut weh, macht aber Spaß und fit
  • Gel schmeckt nicht, hilft aber scheinbar
  • Vielleicht schaffe ich die 3 Stunden irgendwann mal im Leben
  • Zermatt, Zermatt – wir fahren nach Zermatt
  • Arne Gabius is King

Satt, glücklich und zufrieden fahre ich mit der S-Bahn nach Hause, werfe mich in die Badewanne, schließe die Augen und denke

Weltmeistäääääääär!

Nachtrag vom 25.07.2015: Zum Abschluss hier noch die Bestleistungen, Rekorde, Fabelzeiten und Quali-Normen, falls Jemand Ende Oktober was ganz Großes vorhat – wovon ich natürlich ausgehe:

Streckenrekord: 2:03:42h (Wilson Kipsang / 2011)

Deutscher Rekord: 2:08:47h (Jörg Peter /1988)

Olympia-Quali 2016: 2:12:15h

Runners-Bestzeit: 2:50:42h (Iron-Helmut / Berlin 2010)

Runners-Streckenbestzeit (Frankfurt): 2:54:17h (Seifi / 2007)

Streckenrekord Frankfurt (rückwärts): 3:42:41h (Achim Aretz / 2010 / = WR)

Durchschnittszeit Frankfurt: 3:57:56h

Wer möchte, darf dieses Jahr gerne auch Deutscher Meister werden. Aber das ist jedem freigestellt.

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