LaufenLeseeckeMein Weg zum Frankfurt-Marathon … ähh Luzern-Marathon 🇨🇭

5. November 2021von Andreas Roth4

Der Tatzen-Marathon 2020 war für mich persönlich ein wirklich sensationeller Lauf. Zum einen hatte ich meinen persönlichen Pacemaker: Markus Malz und zum anderen liefen wir durch das schönste Dorf der Welt, Kirrweiler. Darüber hinaus war Amelie die ganze Zeit an meiner Seite und zuständig für die musikalische Untermalung und das leibliche Wohl während des Laufs.

Am Ende konnte ich ganz knapp, mit 3:14:56 Stunden, mein Ziel erreichen und blieb unter der magischen Marke von 3:15 Stunden. Schaut man sich die Rennanalyse an, erkennt man direkt, dass die Freude darüber nur kurz anhielt. Markus und Amelie können ein Lied davon singen, was nach Kilometer 38 passiert ist. Der weinerliche Andi kam zum Vorschein: Gehpausen, Tränen, Schmerz … da war wirklich alles dabei, was der Mann mit dem Hammer zu bieten hat.

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Und so war mir ziemlich schnell klar: nächstes Jahr wird es direkt einen weiteren Marathonlauf geben, bei dem ich zeigen muss, dass ich die 3:15 drauf habe und von Anfang bis Ende die Pace auch halten kann.

Schnell war ein Lauf gefunden: der Frankfurt Marathon am 31. Oktober 2021. Dieses Mal sollte der volle Fokus auf dem Laufen liegen, sodass ich im Frühjahr zwar noch viel Fahrrad gefahren bin, Schwimmen legte ich direkt ad acta.

Und so startete ich 27 Wochen vor dem Event in die Vorbereitung. Ab diesem Zeitpunkt war das Fahrrad auch nicht mehr mein ständiger Begleiter. Einen Überblick über meine Vorbereitung im Vergleich zum Tatzen-Marathon 2020 möchte ich euch in der Grafik mal zeigen.

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Ich bin wirklich sehr zufrieden mit meiner Vorbereitung. Ich war nie verletzt, nie krank und auch erst gegen Ende war so ein wenig die Luft raus. Natürlich möchte ich nicht verschweigen, dass es ab und an schwierig war, den Schweinehund zu überwinden. Zu 90 Prozent ist es mir gelungen.

An dieser Stelle, vielen herzlichen Dank am Markus Malz von www.x-tri-m.de.
Danke für den Trainingsplan und deine Hilfe auf meinem Weg!

Inmitten der Vorbereitung kam es dann aufgrund von Corona zur Absage des Frankfurt-Marathons. Und weg war die Möglichkeit einen URoP-Express zu bilden und sich gegenseitig zu pacen. Tatsächlich waren wir bis dahin eine Gruppe von 10 Runners, die sich das Abenteuer FFM-Marathon antun wollten.

Und so recherchierte ich direkt abends auf der Couch nach Alternativen zu FFM. Nochmal durch den Weinberg in Kirrweiler im All-in-Modus zu laufen bei einem etwaigen 2. Tatzen-Marathon kam für mich nicht in Frage. Mental war das dann doch sehr anstrengend jeden Grashalm auf der Strecke bereits zu kennen.

Und dann war er plötzlich da: der Luzern-Marathon, tatsächlich sogar am gleichen Tag. So musste ich noch nicht einmal etwas an meiner Vorbereitung anpassen. Angemeldet, Hotel gebucht. Schweiz. Grüezi 🇨🇭

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Amelie und ich machten uns freitags auf nach Luzern. 42 Euro für eine Jahresplakette zur Nutzung der schweizer Autobahnen. Die ham doch nimmer alle Tassen im Schrank oder machen im Gegensatz zu uns Deutschen tatsächlich alles richtig. Ein günstiger Ausflug sollte Luzern nicht werden, aber hey.. man gönnt sich ja sonst nichts.

Die Startunterlagen holten wir direkt schon am gleichen Abend ab. So war der Samstag tiefenentspannt: eine kleine Stadtrundfahrt, schlendern durch die Innenstadt und Museum standen auf dem Plan. Tatsächlich kam die Nervosität erst gegen Abend auf, doch dann mit voller Wucht und aller Macht. Amelie sprach mir immer wieder Mut zu und machte mich schon samstags zum Sieger, allein dadurch, dass ich an die Startlinie ging.

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Und dann war er da: der große Tag. Das Tagesziel war klar: Gib alles! Überpace nicht und versuche einen Schnitt von 4:30 min pro Kilometer von Anfang an sehr konsequent zu halten und hoffe darauf, dass der Mann mit dem Hammer heute zu Hause bleibt.

Erste Anzeichen, dass es ein guter Tag werden sollte, gab mir der Wetterbericht. Es sollte ein wirklich toller Herbsttag werden mit Sonne und klarem Himmel. Zwar war es morgens mega kalt, doch kurze Hose und kurzes Laufshirt war angesagt. Im absoluten Bettleroutfit ging es um 7 Uhr Richtung Start und Ziel. Amelie und ich hatten unsere Klappis dabei, sodass wir stressfrei per Fahrrad anreisen konnten.

Zuerst musste mein Dressbag abgegeben und der Corona-Check-in hinter sich gebracht werden. Das ging tatsächlich wirklich schnell und unkompliziert. An dieser Stelle großes Lob an den Veranstalter: der Lauf war von der Startunterlagen-Ausgabe bis hin zum SMS-Ergebnisdienst wirklich super organisiert. Absolute Empfehlung, Luzern kann man mal laufend erleben!

Jetzt mussten wir noch unsere Klappräder loswerden. Auch dies war am Verkehrsmuseum, indem auch die Ziellinie war, problemlos möglich. Und so standen wir da. Der Start rückte unausweichlich näher. Vor lauter Nervosität schob ich mir noch die letzten kurzkettigen Kohlenhydrate hin den Mund.

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Dann stand die Verabschiedung von Amelie an, um tatsächlich in den Startkanal hineingehen zu können. Erste Emotionen kamen hoch: “Ok, ab diesem Zeitpunkt, nur du allein gegen die Straße und die Uhr!”

8 Uhr: Ich stehe mit vielen anderen in der Startaufstellung und trinke immer mal wieder als Übersprunghandlung an meiner Wasserflasche.

8:15 Uhr: Der Rolling-Start bzw. Tröpfli-Start, wie die Schweizer es nennen, wird über Lautsprecher erklärt. Alle 2 Sekunden gingen 6 Läufer gesteuert über eine Ampelanlage auf die Strecke.

8:25 Uhr: Hose weg, Pulli weg. Es waren Mülleimer für Klamotten überall vorhanden: sehr geile Aktion. Ich gehe mal davon aus, dass die Klamotten gespendet wurden.

8:30 Uhr: Startschuss!

8:34 Uhr: Ich stehe vor der Ampel. 2 Sekunden. Die Ampel springt um von Rot auf Grün. Go go go Rosa Trikot!

Es ging vom Verkehrshaus erst mal rein in die Stadt. Nach 1 Kilometer stand auch schon zum ersten Mal Amelie an der Strecke. Schon an diesem Punkt waren mega viele Emotionen im Spiel: noch nichts erreicht, aber trotzdem einfach nur stolz, dass ich es wage und Amelie mich so toll supportet.

Es ging am Kulturzentrum vorbei rein in die erste Phase des Laufs. Zu überwinden gab es zwei Anstiege, die sich deutlich krasser anfühlten von der Steigung hergesehen, als vorher von mir vermutet. Mein Ziel war es, über die Watt mein Tempo zu kontrollieren: Vorgabe war hier 280 Watt. An den Anstiegen ging das schon mal rauf auf 340 bis 360 Watt.

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Und so ging es dahin. Das Tempo fühlte sich gut an. Schnell fand ich einen Läufer, der ein ähnliches Tempo ging. Er sah auch ziemlich professionell aus, sodass ich mir dachte: “ok, der dürfte bis zum Ende auch das Tempo halten können”. Einmal war ich vorne, einmal war er vorne. Irgendwann wurde er mir aber zu schnell, sodass ich ihn ziehen lassen musste und wieder mein eigenes Rennen pacen musste. Kleiner Spoiler: Wir sahen uns bei km 28 wieder. Er wurde abrupt langsamer und musste an dieser Stelle das erste Mal gehen. Er rief mir noch hinterher: „Mach das Ding!“

Und ich machte mein Ding weiter, hinein in die Innenstadt. Bei KM 20 an Amelie vorbei und zum Wendepunkt. Im Videoausschnitt aus dem Livestream vom Marathon seht ihr nicht nur mich, sondern auch Rapha aus Brasilien (gelbes Tank-Top). Dieser lief bei KM 23 auf mich auf. Ab diesem Zeitpunkt waren wir bis KM 38 untrennbar. Wir liefen gemeinsam. Spoiler: Am Ende hatte er doch einen besseren Punch und finishte rund 90 Sekunden vor mir.

Es ging in die zweite Runde. Amelie stand bei KM 23 wieder am Streckenrand. Ich hör mich noch rufen: „Bis jetzt läuft‘s gut, jetzt fängt das Rennen an!“

Meine Gedanken drehten sich nur um die perfekte Verpflegung. Ich nahm konsequent alle 4 km die Verpflegungsstationen wahr und nahm immer einen Becher Iso zu mir. Dazu auch immer mal wieder einen Becher Wasser. Ich hoffte darauf, dass ich durch diesen Elektrolyt-Drink immer genügend Kohlehydrate nachführte.

Es ging wiederrum über die „Berge“ drüber. Dieses Mal aber war es deutlich anstrengender, es tat kurzum einfach um ein Vielfaches mehr weh. Mir war ab diesem Zeitpunkt klar, dass es noch eine harte Nummer werden würde. Ich nahm mir mental Streckenpunkte vor, die ich mir in Runde 1 merken konnte.

KM 26 über den Berg
KM 28 vorbei an der Band
KM 32 Blaskapelle
KM 34 durch den kleinen Ort Horw durch
KM 36 Stadion des FC Luzern
KM 39 Kulturzentrum

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Bei KM 34 war es soweit. Jetzt muss das Gel rein. Dazu muss man wissen, dass ich bisher bei jedem meiner Marathons Probleme mit den Gels hatte. Powerbar, Enervit, Maurten, ganz egal welcher Hersteller. Ein Blähbauch war immer die Folge. Daher bin ich da mittlerweile sehr vorsichtig. Tanja Wittmann empfahl mir den Hersteller Sponser und so hatte ich eine Tube davon in meiner Laufhose dabei. Die Hälfte des Inhalts ging mit Nachspülen von Wasser runter. “Das muss reichen”, so meine Gedanken.

Ein wenig musste ich Federn lassen und so brach meine Wattzahl auf 270 bis 275 ein. Dadurch natürlich auch die Pace auf 4:40 min/km. Ich wusste aber ab diesem Zeitpunkt, dass es für eine neue persönliche Bestzeit reichen würde. Einfach weil ich mittlerweile gut einschätzen kann, wie viel noch im Tank ist … Ich bin Spezialist im Violett-Laufen, daher weiß ich ganz genau, wie lange ich welchen Leidensmodus durchhalten kann.

Langsam aber sicher stellte sich der Stolz ein. Es machte Spaß an den vielen Zuschauern vorbei zu laufen. Ich klatschte das ein oder andere Kind ab! Ich genoss die Sonne, die Fans, die Stimmung, meine Leistung!

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Rechtskurve, Linkskurve und rein ins Verkehrshaus auf die Zielgerade. Ein stechender Pfiff: “meine Amelie muss irgendwo hier sein: ahhh da ist sie!” Kuss! Und rauf auf den goldenen Laufsteg für die Marathonis.
Freude pur! Tränen!
Uhr gestoppt und direkt auf den Boden fallen lassen.
Das obligatorische „Ist alles in Ordnung“ von der netten Sanitäterin ließ nicht lange auf sich warten: „Mir geht’s zwar grade körperlich nicht so gut, aber alles ok, ICH HABS GESCHAFFT!“

Mit 3:09:51 Stunden habe ich nicht nur die 3:10 unterboten, sondern mir selbst bewiesen, dass ich einen Marathon mit einer Pace von 4:30 min/km relativ gleichmäßig von Anfang bis zum Ende laufen kann.
Haken dahinter.
Nächstes Ziel ist es, einen „Negativ-Split“ zu erreichen, sprich den zweiten Halbmarathon schneller zu laufen als den ersten. Die Königsdisziplin!

Danke an meine Amelie
Ohne dich hätte ich das nicht geschafft!

Luzern-Marathon ist absolut empfehlenswert. Es war grandios!

#URoPidgCdW
#SwissCityMarathon

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Andreas Roth

Andreas Roth

Ich bin der Andreas und komme aus der Außenstelle URoP in Kirrweiler. Bei den URoPs kümmere ich mich um die Webseite. #URoPidgCdW #KirrweilerWeltdorf

4 Kommentare

  • Brigitta Huckestein

    5. November 2021 um 13:16

    Einfach grandios abgeliefert! Und super geschrieben, ich habe gerade km für km mitgefiebert, fast als wäre ich dabei gewesen .

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  • Gisela Bretscher

    5. November 2021 um 21:07

    Toller Bericht, Andy. Du hast nur vergessen, dass das rosa Trikot bestimmt auch geholfen hat bei der PB

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  • Christian Meise

    6. November 2021 um 10:08

    Top-Leistung und eine 1A-Story! Und jetzt? Frankfurt-Marathon 2022? 2:59 Stunden? Olympia 2024?

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    • Andreas Roth
      Andreas Roth

      6. November 2021 um 17:43

      Tatsächlich Frankfurt 2022 mit dem Ziel unter 3:05 Stunden zu bleiben :-)

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