Breaking News: IAAF ändert Leichathletik-Regeln

Unser Runner Karl Luis traf Sebastian Koh

London. Vor 3 Wochen saß ich nichtsahnend in meinem Büro und schrieb den Rückblick zu den Olympischen Spielen in Pyeongchang, als das Telefon klingelte und sich ein anonymer Anrufer mit der Aussage meldete, er hätte brisante Infos über fundamentale Regeländerungen in der Leichtathletik, die schon bei der EM 2018 in Berlin wirksam würden. Er wolle sich sein Taschengeld bei der IAAF als Whistleblower ein wenig aufbessern und zu seinem Schutz möchte er „Sebastian Koh“ genannt werden.

Seltsam! Mysteriös! Also ziehe ich mir ein Flugticket nach London und treffe mich mit ihm in seiner Lieblingskneipe, dem Daily Harvidson unweit des Big Ben.

Anfangs druckst er ziemlich darum, aber nach einer Kiste Krombacher gesteht er mir die folgenden unglaublichen Details zu den angedeuteten Regeländerungen.

100m / 200m:

Nun ist der Großmeister und Weltrekordhalter Usain Bolt also tatsächlich in Rente gegangen und es wurde intern diskutiert, wie man dieser Ikone des Sprints angemessen Tribut zollt. Ein kanadischer Funktionär zog den Vergleich mit NHL-Superstar Wayne Gretzky, dessen Trikotnummer 99 Ligaweit (!) nicht mehr vergeben werden darf.
Analog dazu hat man einstimmig beschlossen, Bolts Lieblingsbahn – Nummer 4 – ab sofort bei Stadion-Wettkämpfen nicht mehr zu belegen. Die Veranstalter haben die Auswahl, ob sie dort Werbung platzieren oder einen Grünstreifen bepflanzen.
Nebenbei wird Bolt bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking wieder antreten – und zwar im Bob Jamaika 3.0. Dadurch schließt sich die Klammer zu seinen ersten Erfolgen bei den Olympischen Sommerspielen 2008 an gleicher Stelle! Welch eine Inszenierung!

Weitsprung / Dreisprung:

Wer es gesehen hat, dem trieb es die Tränen in die Nase! Bei der WM 2017 hier in London erzielt die serbische Weitspringerin Ivana Spanovic die mit Abstand größte Weite und wäre eigentlich die verdiente Weltmeisterin. Leider löste sich bei der Landung ihre Startnummer am Rücken und drückte sich bei 6,96m ganz leicht in den Sand – ihr Sprung war eigentlich etwa 7,20m weit. Dadurch wurde sie tragischerweise nicht nur nicht Weltmeisterin, sondern mit 1cm Rückstand auf Bronze nur Vierte!
Um dies in Zukunft zu verhindern, wird der Sand bei Weit- und Dreisprung nicht mehr benutzt und durch Furzknete ersetzt. Dadurch soll zusätzlich zum optischen Abdruck auch noch ein akustisches Signal zur Auswertung erzeugt und die Messung zuverlässiger gemacht werden.

Eine echte Revolution! Und das genau 50 Jahre, nachdem ein 22-jähriger Amerikaner namens Bob Beamon am 18.Oktober 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko-City seinen Trainer vor dem 1. Durchgang des Weitsprungs fragte: „Ey Coach – what shall I do?“ Dieser antwortete mit „Bob – beam on!“ Also spurtete Beamon los und erzielte mit sagenhaften 8,90m einen Weltrekord, den Olympiasieg und gleichzeitig den „Sprung ins 21.Jahrhundert“.

Langstreckenlauf:

Bei Meisterschaften, also WM, kontinentalen Wettkämpfen und Olympia wird der Marathon ab sofort mit Vorrunde und eventuell sogar Halbfinale ausgetragen. Koh meint, Langstreckler seien alles Weicheier und sollen ruhig mal gefordert werden.
Deshalb ist ab sofort der Marathon auch nicht mehr die längste Strecke – bei WM und EM sind es ab sofort 100km und bei Olympischen Spielen wird der Fackellauf über mindestens 2500km als Wettkampf ausgetragen. Die Premiere dafür ist bei den Sommerspielen 2020 in Tokio.

Hochsprung:

Seit Ende der 1960er-Jahre wird die Hochsprung-Latte im sogenannten Fosbury-Flop überquert, benannt nach seinem Erfinder Dick Fosbury, der damit 1968 Gold bei den Olympischen Spielen in Mexiko-City gewann. Zuvor sprang man im sogenannten Straddle-Stil („Grätsche“) vorwärts/seitwärts über die Latte.
Mit dem Fosbury-Flop steigerte der Kubaner Javier Sotomayor den Weltrekord auf 2,45m oder anders gesagt: Auf ein Fußball-Tor plus 1cm. Sportwissenschaftler, Mental-Trainer, Psychologen und Baumarkt-Mitarbeiter stellten in Studien fest, dass dieser Weltrekord längst bei 2,60m stehen könnte, wenn nicht dieser demotivierende Anteil „Flop“ im Namen wäre. Flop suggeriert angeblich das sportliche Versagen zu stark. Deshalb muss dieser Stil in allen Sprachen inklusive Latein und Altgriechisch von Fosbury-Flop in den deutlich positiveren Begriff Fosbury-Challenge umbenannt werden.

1500m:

Koh erzählte mir, dass die 1500m früher seine beste Strecke neben den 800m war. Er hielt wohl ganz lange den Weltrekord über die 2 Stadionrunden. In den Gremien des IAAF hat man Untersuchungen durchgeführt, warum die Rekorde speziell über die Mittelstrecken so lange unangetastet blieben. Lange Zeit sah man den Grund im Doping, doch nun haben Geologen die wahre Ursache ermittelt: Durch den Klimawandel dehnt sich die Erde inklusive ihre Oberfläche so stark aus, dass man eine immer längere Strecke laufen muss, als vor 20 oder 30 Jahren ursprünglich vermessen.
Forscher haben festgestellt, dass man speziell in Äquator-Nähe durch diese Dehnung anstatt den vermeintlichen 400m pro Runde tatsächlich 428m läuft. Diese 28m zusätzliche Strecke verhindern natürlich die Verbesserung bestehender Rekorde. Dies bedeutet auch, dass vermeintliche 1500m de facto eine Meile darstellen! Deshalb werden 1500m-Bestzeiten ab sofort als Meilen-Bestzeiten anerkannt, jedoch nur mit schriftlicher Genehmigung von Koh persönlich.

Staffeln:

Der Arbeitskreis Gender-Sports befand, dass ab sofort die Staffeln (4x100m / 4x400m) nicht mehr mit dem üblichen Staffelstab gelaufen werden dürfen, weil dieser als Phallus-Symbol missverstanden werden könnte. Deshalb wird ab sofort anstatt des Staffelstabs ein Freundschafts-Armband übergeben, am Besten original von Wolle Petry.

Mehrkampf:

Ursprünglich bestand der Plan darin, den Zehnkampf und den Siebenkampf auf einen einheitlichen Mehrkampf (8-Kampf) anzugleichen. Durch das Streichen der technisch aufwändigen Disziplinen Diskus und Stabhochsprung sollte speziell für Athleten aus ärmeren Verbänden ein Anreiz geschaffen werden, in den Mehrkampf einzusteigen. Außerdem hätte das natürlich neue Märkte erschlossen. Dass man z.B. in Kenia nicht nur Marathons laufen kann, sondern auch Speerwerfen beherrscht, sieht man aktuell am 90m-Werfer Julius „Youtube“ Yego.
Diese Pläne wurden nun komplett gekippt und es findet ein simpler Tausch (besser: ein Gender-Swap) zwischen Männern und Frauen statt: Frauen machen ab sofort den Zehnkampf und Männer den Siebenkampf. Das ist nachgereichte, gelebte Gleichberechtigung.

Wer es bei Olympia 2016 gesehen hat, rieb sich verwundert die Augen: Die Spanierin Ruth Beitia gewinnt mit 1,97m den Hochsprung der Frauen, während im Siebenkampf die Britin Katarina Johnson-Thompson und die Belgierin Nafissatou Thiam mit 1,98m tatsächlich höher sprangen! In Zukunft möchte man den Mehrkämpfern (m/w) die Möglichkeit geben, mit dieser Leistung gleichzeitig den Titel bei den Spezialisten abzuräumen: Bei gleicher oder besserer Leistung des Mehrkämpfers findet während der Abschlussfeier ein Torwandschießen (3 unten / 3 oben mit Golden Goal bei Gleichstand) um den Titel des Super-Champions statt.

Doping:

Doping wurde und wird einfach völlig überbewertet und lösen wird man das Thema sowieso nie. Deshalb ist ab sofort scheißegal, was man sich reinpfeift! Denn Doping ist, was der Beipackzettel daraus macht.
Der Gesprächkreis Sportethik hat erarbeitet, dass z.B. die Verpflegungsstellen bei Marathons ab sofort zusätzlich zu Wasser, Iso und Banane auch Asthmaspray anbieten sollten. Der Einsatz von mobilen Stationen zur Bluttransfusion befindet sich allerdings noch in der Testphase.

Dopinggeschichte:

Schließlich erzählt mir Koh noch eine Story, die mich aus den Socken haut: 2018 ist der erste ganz große Doping-Skandal genau 30 Jahre her – es war Ben Johnson, der bei Olympia 1988 in Seoul (angeblich) mit Stanozol gedopt war.
Jetzt kommt der Hammer: Der Mann, den sie damals erwischt haben, war gar nicht Ben Johnson! Wie jetzt bei einer Rechereche heraus kam, war das Ganze ein Fake wie bei Milli Vanilli. Es handelte sich um ein Double und der Mann hieß nicht Ben Johnson, sondern John Benson und war im bürgerlichen Leben Mitarbeiter in einem Obi-Baumarkt in Vancouver.
Der wahre Ben Johnson lebt seit 30 Jahren in einem Schweigeorden in Tibet und wird diesen im September verlassen, weil dann die 30 Jahre Verjährungsfrist für Vergehen mit anabolen Steroiden abgelaufen ist. Koh hat ihn im Namen des IAAF in Tibet besucht und konnte ihn dafür gewinnen, die Eröffnungsrede bei der WM 2019 in Doha zu halten.

Bundesjugendspiele:

Eine weitere unglaubliche Änderung betrifft den Schulsport, konkreter: Die allseits beliebten Bundesjugendspiele. Der bisher durchgeführte Dreikampf aus Sprint, Wurf und Sprung wird komplett gestrichen zugunsten des Kugelstoßens – und zwar nur noch des Kugelstoßens!
Koh meint, dass viel zu viele Kinder viel zu starkes Übergewicht haben und man es speziell Singvögeln, die in der Nähe von Sportstadien brüten, akustisch nicht zumuten kann, wenn ein 120kg schwerer 8-Jähriger aus einem halben Meter Höhe in einer Grube voller Furzknete landet! Außerdem sind Laufen und Springen voll analog.
Um der Sache und den Kindern entgegen zu kommen, gibt es nun halt nur noch Kugelstoßen. Da wird Masse und Kraft deutlich sinnvoller eingesetzt und fördert die Leistung deutlich. Randbedingung: Bei den Bundesjugendspielen darf nur in der Drehstoßtechnik gestoßen werden – die Angleittechnik ist ab sofort und für alle Zeiten verboten. Sportler, die das noch so gelernt haben, wie z.B. unser Weltmeister David Storl, haben noch Technik-Bestandschutz für 15 Jahre. Deal!
Zweite Randbedingung: Bei den Bundesjugendspielen darf nur mit der 7,25kg schweren Männer-Kugel gestoßen werden – das gilt auch für die Mädchen. Wenn schon Gleichberechtigung, dann richtig!

Bei diesem Thema merke ich, wie sich Koh in Rage redet und seine Emotionen nicht mehr so ganz im Griff hat. Mit dem Geschick des erfahrenen Reporters lenke ich vom Thema Übergewicht ab und frage ihn, ob er denn den Weinstraßen-Marathon kenne, der demnächst wieder in Bad Dürkheim in der Pfalz stattfindet. „Wine-Street-Marathon!?“ war seine verdutzte Gegenfrage. Je mehr ich aber darüber erzähle, umso heller leuchten seine Augen.
Schließlich ist das Eis gebrochen und er beschließt, selber zu prüfen, ob man diesen Wine-Street-Marathon nach Berlin als zweiten deutschen Marathon in die World Marathon Majors Serie aufnehmen könnte. Er erzählt mir, dass er sich als alter Mittelstreckler jetzt mal 2 Wochen intensiv vorbereiten und dann unter Decknamen am Weinstraßen-Marathon teilnehmen würde, um sich selbst davon zu überzeugen. Das würde sicher keiner merken, wenn er sich unter dem Namen Sebastian Kimetto oder Paul Radcliffe unauffällig unter die Starter mischt.

Na, da bin ich ja mal gespannt. In diesem Sinne Frohe Ostern und einen tollen Wine-Street-Marathon an alle!

Mit sportlichen Grüßen 😉

Euer Karl Luis

2 Kommentare

  1. Hallo zusammen,
    Ich „verfolge“ euch nun schon sehr lange und finde eure Form von Verein absolut klasse. Ich drehe meine Runden rund um Neuleiningen und das seit etwa eineinhalb Jahren. Mit meinen 45Jahren hätte ich einen Blutdruck von 260/180 ….140kg…da ich eine kleine Tochter habe und es bei mir Klick gemacht hat, fing ich an zu Laufen….jetzt sind es noch 105kg und ich steuere die 90kg an Laufen verändert und ich liebe mittlerweile diesen Sport. Aber lange Rede….kann man sich euch anschließen? Über eine Rückmeldung würde ich mich echt freuen.
    Viele Grüße aus Neuleiningen

    Siggi

    1. Hallo Siggi,
      das freut uns, wenn wir gut ankommen. Ja klar, kannst du bei uns mitmachen, schreibe einfach eine Mail an info [at] united-runners-of-pfalz.de.
      Alle weiteren Infos bekommst du dann per Mail!
      Grüße
      Andi

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