„Mit einer alten Liebe in ein neues Leben“, so titelt LAUFEN.DE über unseren Oliver – Lest selbst seine unglaubliche Geschichte!

Anmerkung: Der Artikel wird in der Zeitschrift LAUFEN.DE mit Ausgabe Dezember erscheinen. Ab 15.12.2017 überall erhätlich.

(Laufen.de) Er wog knapp 160 Kilo und schlief im Sitzen, aus Angst, sonst zu ersticken. Dann wird Oliver Nofftz klar: Er muss etwas ändern. Er stellt seine Ernährung um und fängt wieder an zu laufen – was er früher schon gemacht hat. Und schafft so den Sprung in ein besseres Leben.

Im Dezember 2016 war Oliver Nofftz klar, dass er etwas ändern muss. „Ich habe mich seit langem mal wieder auf die Waage gestellt, und das war ein Schock!“, sagt der 43-Jährige. 157,6 Kilo zeigte die Waage an. „Selbstmitleid und Zorn sind in mir aufgestiegen.“ Eigentlich aber war das, was die Waage anzeigte, keine große Überraschung. Oliver Nofftz merkte schon lange, dass es ihm nicht gut ging. „Ich musste Blutdrucktabletten nehmen und hatte Wassereinlagerungen, weil ich nur noch im Sitzen schlafen konnte.“ Liegend traute er sich nicht mehr – aus Angst zu ersticken. Er bekam keine Luft. Außerdem hatte er Hitzewallungen. Bei jedem Wetter verbrachte er die Nacht sitzend auf dem Balkon, seine Frau deckte ihn mit mehreren Decken zu, damit er nicht fror. Im Schlaflabor wurde festgestellt, dass er Atemaussetzer von bis zu drei Minuten hat. Es ist fünf vor zwölf.

Nach einer Nacht voller Tränen entschließt er etwas zu ändern. Und zwar nicht nur ein bisschen. Die Kilos müssen deutlich runter, unter 100 Kilo ist das Ziel. Wie die Kilos draufgekommen sind, ist schnell erzählt. In seiner Jugend war Oliver Nofftz ein begeisterter Sportler, machte Leichtathletik, wurde sogar mal Pfalz-Meister im 1000-Meter-Lauf, später spielte er in der zweiten Bundesliga Faustball. „Aber irgendwann war das alles nicht mehr mit meiner Arbeit zu kombinieren“, erzählt er rückblickend. Lange fährt er LKW, sitzt die ganze Zeit, bewegt sich kaum. Vor fünf Jahren macht er sich als Tätowierer selbständig – hat dadurch aber nicht mehr Zeit „Ich bin immer erst spät nach Hause gekommen und habe spät gegessen. Nicht unbedingt viel zu viel, aber viele Süßigkeiten.“ Danach ging es von der Couch direkt ins Bett. Ein gesunder Lebensstil sieht anders aus.

Dazu raucht er damals noch locker zwei große Packungen Zigaretten am Tag. Nachdem ihm aber ein Kunde erzählte, wie er mit E-Zigaretten von seinem Laster abkam, lässt sich auch Oliver Nofftz beraten, steigt wenig später auf E-Zigaretten um und reduziert den Nikotingehalt hier bis auf Null. Seit rund einem Jahr raucht er gar nicht mehr, oder nur selten als Genuss. Den ersten Schritt hat er als schon getan, nun müssen die Pfunde purzeln, denn Oliver Nofftz ist klar, dass es sonst nicht mehr lange gutgeht für ihn. „Aber ich wollte leben. Für meine beiden Kinder, meine Frau und für mich.“

Also klemmt er sich vor den Computer und durchforstet das Internet nach Möglichkeiten des Abnehmens. „Man stößt da ja über kurz oder lang immer auf irgendwelche Diäten. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte nicht auf irgendetwas verzichten und dann später dank Jojo-Effekt wieder zunehmen“, erklärt er. Für den Ludwigshafener ist klar: Für ihn kommt nur eine Ernährungsumstellung in Frage. Eine dauerhafte, mit der er den Rest seines Lebens weiterleben kann. Also fängt er an, alles, was er isst, aufzuschreiben. Er wiegt sein Essen ab und trägt alles in eine App ein, die ihm anzeigt, wieviel Fett, Kohlenhydrate, Eiweiß und Kalorien es beinhaltet. Und er legt eine maximale Kalorienzahl für sich fest, die er nach Recherchen ermittelt hat, und achtet darauf, gesunde Lebensmittel zu sich zu nehmen. „Das fiel mir tatsächlich gar nicht schwer. Und ich war teilweise überrascht, wie viel ich trotz allem noch essen kann“, sagt er. Mit einer anderen Umstellung hat er dafür deutlich mehr Probleme: Er isst ab sofort wieder regelmäßig morgens, mittags und abends statt nur einmal am Tag. „Das hat echt lange gedauert, bis sich mein Körper daran gewöhnt hat.“

Aber es funktioniert. Die Kilos verschwinden – und das ohne Verzicht. „Ich esse ab und zu auch mal eine Pizza oder einen Döner. Aber dann plane ich mein restliches Essen an dem Tag halt entsprechend ein“, erklärt er. Parallel zu seinen Internetstudien holt er sich über seine Krankenkasse Unterstützung bei der Ernährungsumstellung. Diese finanziert ein Programm beim Mannheimer „Richtig Essen Institut“, einer Beratungsgesellschaft für Ernährung und Gesundheit. Die Überraschung: Beim Thema Essen können sie ihm eigentlich gar nicht mehr helfen. Mithilfe von Internetrecherche und Eigeninitiative hat Oliver Nofftz bereits genau den richtigen Weg eingeschlagen. Umsonst ist das Programm trotzdem nicht. Es beinhaltet nämlich auch Besuche im Fitnessstudio. In sechs Wochen sind sieben Besuche dort geplant, in denen ein Fitnesszirkel absolviert wird. „Aber ich habe mich gefragt, wieso gehe ich nicht öfter hin?“ Also ist Oliver Nofftz zwei- bis dreimal in der Woche im Gym anzutreffen. 30 bis 40 Minuten absolviert er dort seinen Zirkel und geht dann wieder. Bis er auf 130 Kilo runter ist. Das eröffnet ihm neue Möglichkeiten. Ab sofort kann er nämlich am Spinning-Kurs teilnehmen, da die Räder bis zu genau diesem Gewicht zugelassen sind. „Nach einem Kurs bin ich dann nochmal aufs Laufband gegangen. Da kam die Kursleiterin Monika Kolbenschlag vorbei und gab mir ein paar Tipps.“

Oliver Nofftz findet Spaß am Laufen und erzählt Monika Kolbenschlag davon. Unter 100 Kilo will er kommen und vielleicht ein Jahr später mal einen Volkslauf über fünf oder zehn Kilometer mitmachen. Sie findet die Idee gut und geht mit ihm auf eine Aschenbahn, laufen 100 Meter und gehen dann 100 Meter. Und sie schlägt ihm etwas ganz anderes vor: Zusammen starten sie die Aktion von 0 auf 42. Im Oktober 2018 will Oliver Nofftz seinen ersten Marathon laufen. „Wir haben alles schon fest geplant. Wir laufen in Köln und haben auch schon Hotelzimmer gebucht.“ Momentan ist er bei Strecken von 10 bis 15 Kilometern angelangt, läuft dreimal pro Woche und arbeitet zwischendurch im Fitnessstudio noch am Muskelaufbau. Im Monat legt er laufend rund 150 Kilometer zurück.

Aber egal ob er es wirklich schafft, im kommenden Oktober seinen ersten Marathon zu finishen oder nicht: Oliver Nofftz hat schon jetzt unglaublich viel gewonnen. „Ich kann mir wieder Schuhe binden, ohne den Fuß auf einen Stuhl zu stellen und dabei komische Verrenkungen zu machen“, erzählt er lachend. Und fügt ernst hinzu: „Unabhängig davon, dass ich abgenommen habe, fühle ich mich auch so einfach viel besser. Ich kann wieder ruhig schlafen und bin dadurch viel ausgeruhter. Mein Lebenswandel hat meinen Alltag total positiv beeinflusst.“ Gut 60 Kilo hat er schon verloren, obwohl er mittlerweile gar nicht mehr gezielt abnimmt. Weitere überflüssige Pfunde, davon geht er aus, werden ganz automatisch purzeln, wenn er sich weiterhin so ernährt wie zuletzt und das Laufen beibehält. Und daran besteht eigentlich kein Zweifel. „Es macht mir einfach Spaß zu laufen. Egal ob draußen oder auf dem Laufband. Wenn ich in einen Flow komme, dann kann ich abschalten und genießen.“ Mittlerweile hat er sich auch den „United Runners of Pfalz“ angeschlossen, ein Zusammenschluss von Läufern aller Leistungsklassen, die sich gegenseitig bei Wettkämpfen unterstützen und anfeuern, egal wo man läuft. Die größte Stütze bei seinem Lauf in ein neues Leben sind aber wohl vier andere Menschen. Seine Trainerin Monika Kolbenschlag, die dreimal in der Woche mit ihm laufen geht und ihn auf seinen ersten Marathon vorbereitet – und das unentgeltlich. Und seine Frau, seine Tochter und sein Sohn. Sie geben ihm den Rückhalt und unterstützen ihn, wo immer es geht. Denn die Entscheidung, etwas im Leben zu ändern, kann man allein treffen. Es wirklich umzusetzen, da ist die Hilfe anderer aber oft unerlässlich. Und die hat Oliver Nofftz.

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