Projekt: Mein erster Marathon – und dann muss es gleich der Marathon Deutsche Weinstraße 2022 sein 🤣 – Mission completed

15. April 2022by Jochen Düttra3

So, ein paar Tage ist es nun her und jetzt erzähl ich euch mal die ganze Geschichte. Achtung, es kommt viel Text. Nehmt euch ein wenig Zeit.

Ich weiß nicht mehr, was mich damals geritten hat, als ich mich für den Weinstraßenmarathon – meinen ersten Marathon überhaupt – angemeldet hatte. Vielleicht war es der Frust darüber, dass 2021 nun schon zum zweiten Mal der Schifferstadter Triathlon abgesagt bzw. dieser gar nicht erst angesetzt wurde (da wollte ich nämlich gerne endlich mal meinen Einstand machen). Aber egal, auf jeden Fall stand dann auf einmal dieses Ziel im Raum. Und dass da 495 Höhenmeter zu bewältigen sind, dessen war ich mir bei der Anmeldung garnicht bewusst. Alle sagten: „Ouwouwow, da hast du dir aber einen Schwierigen als Ersten vorgenommen.“ Anfangs wollte ich das nicht hören, habe das verdrängt, aber es waren dann doch irgendwann die ersten Zweifel gesät. Hätte ich vielleicht doch einen Flachen als Einstieg in die Marathondistanz nehmen sollen? Soll ich vielleicht doch auf eine anderen ausweichen? Nix da, ich hatte meine Anmeldung in die Runde gegeben, jeder wusste schon Bescheid, einen Rückzieher machen war ausgeschlossen, dafür war ich mir zu stolz. Und es wurde mir dann irgendwann auch relativ deutlich und bewusst, dass das ohne Trainingsplan nicht funktionieren wird. Also habe ich schon sehr früh den Markus Malz angesprochen, der mich natürlich gerne trainingstechnisch in seine Obhut genommen hat. Dass es hart werden wird, war mir klar, was aber folgte, das habe ich vorher nicht im leisesten erahnen können:

  • 9 Monate Vorbereitungszeit
  • 151 Stunden 4 Minuten und 15 Sekunden strukturiertes Lauftraining
  • 100 Tage vor dem Wettkampf kein Alkohol
  • Reduzierung des Körpergewichts um weitere 5 kg auf 70,5kg
  • 1.591,84 km – bei Sonne, bei Wolken, im Wind, im Nebel, bei Regen, im Schneegraupel, im Hellen, im Dunkeln, morgens, mittags, abends.

Das Training in der Vrbereitungszeit hat viel Spaß gemacht, es war aber manchmal auch wirlich eine einzige Quälerei. Es gab Tage, an denen wollte ich ums Verrecken nicht vor die Tür gehen (bin natürlich trotzdem rausgegangen). Es gab Tage, da hätte ich so viel anderes zu tun gehabt, Dinge zu erledigen, die (eigentlich) keinen Aufschub duldeten (aber dann doch geschoben oder von meiner Frau übernommen wurden). Irgendwie ist mein ganzes Privatleben in dieser Zeit zu einer einzigen durchgetakteten Abfolge von Terminen geworden. Man kann fast schon „Freizeitstress“ dazu sagen. Wann baue ich mir den LongJog ein? Laufe ich eine große Runde oder drei kleine? Gehe ich erst nach der Arbeit Laufen, oder laufe ich gleich direkt von der Arbeit heim? Mache ich mein IV-Training gleich morgens nach dem Aufstehen oder erst später am Nachmittag? Welche Strecke laufe ich heute? Wie wird das Wetter sein? Sind die Laufklamotten gewaschen? Sind Stryd und die Uhr geladen? Ist die Laufeinheit mit der Garmin synchronisiert?

Aber was soll ich sagen – es hat sich alles ausgezahlt:

  • Nettozeit: 3:55:49h
  • 199. Platz gesamt (von 558)
  • 19. Platz AK M45 (von 54)

Mein eigentliches Ziel war ja zunächst nur das „Ankommen“. Und da blieben bei mir trotz des langen Trainings Zweifel bis zum letzten Tag und ich hatte einen riesigen Respekt, gerade weil diese Marathon-Strecke ein unglaublich anspruchsvolles Profil hat. Dass ich dann aber sogar Sub4 über die Ziellinie laufe, ist für mich wirklich wie die Kirsche auf dem Sahnehäubchen auf dem Kuchen (und zu Sub4 sage ich weiter unter auch noch was dazu).

Irgendwie fühlt sich das immer noch surreal an und ist immer noch nicht so richtig gesackt bei mir…

Ja, und jetzt? Jetzt ist es erstmal an der Zeit Danke zu sagen… Allen die mich und meine Storys und Beiträge während dieser langen Zeit der Vorbereitung hier verfolgt, ertragen, geliked und kommentiert haben. Es ist Zeit Danke zu sagen, allen die mir – je näher der große Tag kam – immer wieder Mut gemacht haben, wenn ich am Zweifeln war, ob meine Vorbereitung ausreichend und gut genug war, ob es gereicht hat, was ich getan habe, die mir gesagt haben, dass ich mich deswegen nicht verrückt machen soll, und dass ich auf dem besten Weg sei. Es ist Zeit Danke zu sagen, allen die mich auf der Strecke angefeuert und gepusht haben, allen URoPs die mich am Ziel und an unserem grünen Pavillon lautstark willkommen geheißen haben (URoPidgCdW!) – es war so schön, Euch alle mal wieder zu sehen und ich freue mich auf weitere Wettkämpfe mit Euch allen. Und ich danke natürlich jeder Person (kann man Person gendern? Person:in?), der/die mir auf allen erdenklichen Wegen zu meinem ersten Marathonfinish gratuliert haben.

Besonders wären Andreas Roth und Christian Hübinger zu nennen, meine beiden Pacemaker – ohne Euch hätte ich das in sub4 ganz sicher nicht geschafft – soweit bin ich der festen Überzeugung. Es war mir eine riesengroße Ehre, dass Ihr an meiner Seite wart und mich begleitet habt! Andi, irgendwann war der Punkt da, an dem ich gar nicht mehr nachrechnen konnte, was du sagtest: „Wir haben noch xy Minuten, wenn jetzt noch was passiert und wir bis auf 6er Pace zurückfallen reichts immer noch sub4.“ Und ich so: „Häh? Was? Egal…“ Euch beiden ein riesengroßes Danke, Danke, Danke!!!

Natürlich Markus Malz – mein Coach. Er hat mir damals den Weinstraßenmarathon nicht ausgeredet, sondern mich mit seinem phänomenalen Trainingsplan höchst fit gemacht. Es war eine anstrengende, zeitraubende, körperlich und mental sehr sehr fordernde Zeit. Danke für deine Geduld mit mir, für die Beantwortung meiner vielen Whatsapps zu jeder Tages- und Nachtzeit, für deine Begleitung im Training, dafür dass du daran geglaubt (oder es vielleicht gewusst hast 🤔), dass ich das sub4 schaffe. Und jaaaaa, ich weiß, es war meine Leistung – diese konnte ich aber nur durch dich so aufbauen und abrufen, das ist dein Erfolg und das darfst du dir ruhig auf die Fahne schreiben! Danke!!!

So, und mein aller aller größter Dank gilt meinen beiden Kindern Marian und Milan, die in dieser langen Zeit der Vorbereitung nicht nur manchmal, sondern wirklich sehr oft auf ihren Papa verzichten mussten und natürlich vor allem meiner Frau Daniela, die mir immer – IMMER – den Rücken frei gehalten hat, damit ich mein Training nach Plan abspulen konnte, die mich jederzeit darin bestärkt und mich unterstützt hat, mein Ziel zu erreichen, die mir am Wettkampftag mehrmals mit dem Auto vorausgefahren ist, und mich immer wieder an der Strecke von neuem überrascht hat um mich anzufeuern. Ich weiß das alles sehr zu schätzen. Ich liebe Dich!!!

Nun erhole mich erstmal ein wenig. Nächster Wettkampf? Triathlon Goldener Hut im Mai. Mal sehen, was da geht. Ich war dieses Jahr erst einmal im Wasser – zur Not schwimm ich in Brustlage. Dabei sein ist alles!

… ach übrigens: ich hab ein paar Bilder geklaut 😅 und hoffe dass niemand was dagegen hat.

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Jochen Düttra

Jochen Düttra

3 Kommentare

  • Christian Meise
    Christian Meise

    15. April 2022 um 12:13

    Spitzenleistung und eine toller Bericht! Der klingt genau nach diesen Emotionen, die man nur nach vielen Monaten eiserner Vorbereitung hat und dann ins Ziel eines Marathons kommt. Das Foto sagt mehr als 10 Milliarden Worte!

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